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Neue Tierwohlabgabe: Preisanstieg bei Fleisch und Milch?

Aktualisiert am: 16. Januar 2024
tierwohlabgabe

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In aller Kürze

  1. Tierwohlabgabe vorgeschlagen: Eine von mehreren Politiker:innen der Ampel-Koalition unterstützte Abgabe könnte Fleisch, Milch und Eier verteuern.
  2. Vorschlag der Borchert-Kommission: 40 Cent pro Kilo Fleisch, zwei Cent pro Kilo Milch oder Eier und 15 Cent pro Kilo Butter oder Käse.
  3. Ziel der Abgabe: Finanzierung der Umstellung auf bessere Tierhaltung mit geschätzten Kosten von 3,6 Milliarden Euro pro Jahr.
  4. Unterstützung aus allen Ampel-Parteien: FDP, Grüne und SPD befürworten die Idee, suchen aber nach einer europarechtlich sauberen Lösung.
  5. Unklarheit über Realisierung: Die Entscheidung liegt letztlich bei Finanzminister Christian Lindner und der Regierung.

In Deutschland wird aktuell eine neue Tierwohlabgabe diskutiert, die zu höheren Preisen für Fleisch, Milch und Eier führen könnte.

Diese Idee wird von Politiker:innen der Ampel-Koalition befürwortet. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) hat sich in der Süddeutschen Zeitung für die Abgabe ausgesprochen, die teilweise die Kosten für mehr Tierwohlmaßnahmen in der Landwirtschaft auf die Konsument:innen übertragen soll.

Vorschlag der Borchert-Kommission

Die Borchert-Kommission, benannt nach dem ehemaligen CDU-Agrarminister Jochen Borchert, schlug bereits im Jahr 2020 vor,

  • 40 Cent pro Kilo Fleisch,
  • zwei Cent pro Kilo Milch oder Eier und
  • 15 Cent pro Kilo Butter oder Käse zu erheben.

Diese Abgabe soll zu zusätzlichen Einnahmen von etwa 3,6 Milliarden Euro jährlich führen, die für die Umstellung auf bessere Tierhaltung benötigt werden. Özdemir unterstützt diesen Plan, erwägt jedoch auch niedrigere Abgabesätze.

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Jochen Borchert zur Machbarkeitsstudie zu den Vorschlägen der „Borchert-Kommission“. Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Unterstützung und Bedenken

Die Idee der Tierwohlabgabe findet parteiübergreifend Unterstützung. Die stellvertretende FDP-Fraktionschefin Carina Conrad sieht darin einen Weg zur Unterstützung der Landwirte beim Umbau ihrer Ställe. Ihr Parteikollege Gero Hocker betont die Notwendigkeit einer europarechtlich einwandfreien Lösung.

Renate Künast von den Grünen und der SPD-Fraktionsvize Dirk Wiese äußerten sich ebenfalls positiv.

Ausblick und Entscheidung

Die finale Entscheidung über die Einführung der Tierwohlabgabe liegt bei Finanzminister Christian Lindner

Vergleich mit anderen Ländern

Der Vorschlag für eine Tierwohlabgabe in Deutschland ist ein bedeutender Schritt, doch wie steht Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern da?

In einigen europäischen Ländern, wie Dänemark und den Niederlanden, gibt es bereits ähnliche Maßnahmen. Diese Länder haben festgestellt, dass solche Abgaben zu einer deutlichen Verbesserung der Tierhaltungsstandards beitragen können.

In Dänemark zum Beispiel führt eine Abgabe auf Stickstoffemissionen in der Landwirtschaft zu einer direkten Finanzierung von Umweltschutzmaßnahmen. In den Niederlanden werden mit einer speziellen Tierwohlsteuer Maßnahmen zur Verbesserung des Lebens von Nutztieren finanziert.

  • Dänemark:
    • Abgabe auf Stickstoffemissionen zur Finanzierung von Umweltschutzmaßnahmen.
    • Ergebnis: Verbesserung der Tierhaltungsstandards.
  • Niederlande:
    • Spezielle Tierwohlsteuer zur Förderung des Lebens von Nutztieren.
    • Direkte Investition in Tierwohlmaßnahmen.

Der direkte Vergleich zeigt, dass Deutschland mit der geplanten Tierwohlabgabe einem europäischen Trend folgt, wobei jedes Land eigene Ansätze und Schwerpunkte setzt.

Auswirkungen auf Landwirte

Für die Landwirte in Deutschland könnte die Tierwohlabgabe sowohl Herausforderungen als auch Chancen mit sich bringen. Einerseits entstehen durch die höheren Standards in der Tierhaltung zusätzliche Kosten, die gerade kleinere Betriebe vor finanzielle Schwierigkeiten stellen könnten.

Andererseits bietet die Abgabe die Möglichkeit, den Umbau der Tierhaltung finanziell zu unterstützen und langfristig nachhaltiger und tierfreundlicher zu wirtschaften.

  • Herausforderungen:
    • Zusätzliche Kosten durch höhere Tierhaltungsstandards.
    • Finanzielle Belastungen, besonders für kleinere Betriebe.
  • Chancen:
    • Finanzielle Unterstützung für den Umbau der Tierhaltung.
    • Steigerung der Produktqualität und Marktpositionierung.
    • Verbesserung des Images landwirtschaftlicher Produkte.
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Deutschlandweite Bauernproteste 08.01.2024 | dieBasis (Quelle: YouTube)

Viele Landwirte sehen in der Abgabe eine Gelegenheit, die Qualität ihrer Produkte zu steigern und sich auf dem Markt besser zu positionieren.

Die höheren Standards können auch zu einem verbesserten Image der landwirtschaftlichen Produkte führen, was letztlich den Absatzmarkt positiv beeinflussen könnte. Es gibt jedoch auch Bedenken, dass die zusätzlichen Kosten die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft im Vergleich zum Ausland beeinträchtigen könnten.

Insgesamt zeigt sich, dass die Tierwohlabgabe ein komplexes Thema ist, das sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene betrachtet werden muss. Für Landwirte bedeutet dies eine Zeit der Anpassung und möglicherweise des Umbruchs, mit dem Ziel, eine nachhaltigere und ethischere Landwirtschaft zu fördern.

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